VorwortSeit einigen Jahren ist die Begeisterung zum Spitzenklöppeln wiedererwacht. Die Tendenz geht heute dahin, Spitzen zum einen ein zeitgemäßes, oft auch persönliches Gepräge zu verleihen und zum anderen, die traditionellen Techniken zu wahren. Um den Spitzen den gewünschten Ausdruck zu geben, benötigt die Klöpplerin (Klöppler inbegriffen) für ihren Brief den entsprechenden Faden. Der Faden soll so gewählt werden, daß er in Abstimmung mit dem Brief den gewünschten Effekt - Zartheit oder Steifheit - der Spitze unterstreicht.
Die Fadenstärkenbezeichnung spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. Gegenüber den früher üblichen Feinheitsbezeichnungen existiert heute jedoch eine derartige Vielfalt von Kennzeichnungssystemen, daß es anhand der Zahlen auf den Etiketten kaum noch möglich ist, das Material nach tatsächlicher Feinheit einzuordnen. Erschwerend kommt hinzu, daß jedem Rohstoff sein eigenes Kennzeichnungssystem zugrunde liegt.
Auf dieses Problem aufmerksam geworden, habe ich versucht, eine Lösung zu finden und ein auf alle Rohstoffe anwendbares, neues Meßverfahren für Fäden mit rundem Querschnitt, insbesondere Klöppelfäden, entwickelt. Dieses Meßverfahren wird in dieser Arbeit mit seinen Einsatzmöglichkeiten vorgestellt. Für Klöppelbriefe können demnächst mühelos die passenden Fadenstärkengefunden werden.
Der Einsatz moderner Technik schafft uns auch auf dem Gebiet der Spitzenklöppelei neue Möglichkeiten bei der Herstellung von Klöppelbriefen. Moderne Computer und Kopiersysteme setzen uns jeden Klöppelbrief in die gewünschte Größe.
Die Möglichkeiten des Zusammenspiels dieser beiden Neuerungen, das neue Meßverfahren einerseits, und der Einsatz von Kopiergeräten andererseits, werden in dieser Arbeit dargestellt.
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Weitere Kennzeichnungssysteme (Seite 23)Nach DIN 60910, 1973 gibt es für Nähgarne besondere, von Herstellern und Abnehmern anerkannte Bezeichnungssysteme (Etikettennummern). Da auch Nähgarne bedingt zum Klöppeln geeignet sind, habe ich sie mit in die Untersuchung hineingenommen.
Ein früher gebräuchliches internationales Kennzeichnungsverfahren für Baumwolle ist das Strangwickeln in einzelne Bänder. Diese finden wir bei dem noch selten im Handel erhältlichen "Bandgarn", mit sehr viel geklöppelt wurde. Ein Strang (Docken) hat jeweils ein Gewicht von ca. 30 g. Bei feinem Material findet man ein größere Fadenlänge als bei stärkerem in einem Strang. Nach festgelegten Maß wird ein Teil abgebunden und ein neues Band begonnen. Die Anzahl der Wicklungen bleibt stets gleich.
Bandgarn mit 4
Bändern
ca. 7 g |
Bandgarn mit 10
Bändern
ca. 7 g |
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Anzahl der
Wickelungen |
Anzahl der
Wickelungen |
In einem Docken findet man je nach Feinheit unterschiedlich viele abgebundene Bänder. Das feinste Bandgarn, das ich je gesehen habe, hat 24 Bänder, ein zauberhafter Baumwoll- Zwirn.
Je größer die Zahl der Bänder, desto feiner der Faden
Auch bei den Bandgarnen hatten die Hersteller leichte Unterschiede in den Abmessungen, so daß man nicht alle Bandgarne direkt mit einander vergleichen kann. Herstellungsbedingt weisen einige Baumwollzwirne verschiedene Dichten auf.
Für eine mögliche Einordnung der Bandgarne in andere Kennzeichnungssysteme wurden ebenfalls Vergleichstabellen angefertigt (siehe anliegende Vergleichstabelle der ehemaligen Kantnormaalschool in Brugge).
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Teil II (Seite 37)NEUES MESS-SYSTEM
Hier werden die Einsatzmöglichkeiten des Mess-Systems zur Bestimmung von tatsächlichen Fadendurchmessern in Verbindung mit Klöppelbriefen erläutert.
Die Unsicherheit vieler Klöpplerinnen in der Auswahl der nötigen Fadenstärke für ihren Klöppelbrief ließ mich überlegen, wie man in diese Vielfalt von Kennzahlen wieder Ordnung bringen könnte.
Die neu erwachte Begeisterung für alte Klöppeltechnik sollte meines Erachtens durch Unsicherheit und Unzufriedenheit mit dem Klöppelergebnis wegen unpassender Materialwahl nicht geschwächt werden.
Unabhängig vom Rohstoff wird beim Klöppel nach der tatsächlichen Fadenstärke gefragt, dem Fadendurchmesser, damit der durch den Brief begrenzte Raum gut gefüllt werden kann.
Ein jedes Garn und jeder Zwirn hat eine eigene Dicke, einen Querschnitt bzw. Durchmesser.
Durch die Rohstoffe und Verarbeitungsverfahren bedingt, liegen jedoch Schwankungen im Zwirn vor. Es gibt manchmal Fadenverdickungen und sehr feine, dünne Stellen, besonders häufig bei Leinen.
Mein Ziel war es, einen mittleren Fadendurchmesser eines jeden mir zur Verfügung stehenden Zwirnes zu messen, den man zum Klöppeln benötigen kann.
Für die später folgenden Vergleichstabellen habe ich jedem einzelnen Faden gemessen. Durch diese Arbeit hat man eine Übersicht, in welchem Stärkenverhältnis unsere Klöppelzwirne tatsächlich zueinander stehen, welche z. B. tatsächlich gleich dick sind.
Um eine weitere Orientierung zu geben, sind anschließend einige gebräuchliche Raster unter Angabe der passenden Fadenstärke dargestellt.
Meine Fadenstärkenempfehlungen entstanden durch mehrere Vergleichsproben. Es ist jedoch nicht auszuschließen, daß man mit einer anderen Arbeitsweise leichte Abweichungen erzielt. Machen Sie am besten einige Probestücke, um zu Ihrem Klöppelzwirn den richtigen Prickabstand zu finden.
Das Meßverfahren (Seite 37)Dem Meßverfahren zur Durchmesserbestimmung liegt folgende Vorstellung zugrunde:
Um eine korrekte Aussage über den mittleren Durchmesser zu gewinnen, muß ein langes Fadenstück untersucht werden. Es kommt folglich kein mikroskopisches Meßverfahren in Betracht, bei dem man einzelne Fadenstücke isoliert. Vielmehr wird ein längenbezogenes Verfahren herangezogen, ohne aber das Gewicht des Meßgutes zu berücksichtigen.
Der Grundgedanke ist der, daß beim Nebeneinanderlegen von Fäden auf einer festgelegten Meßstreckenlänge eine bestimmte Anzahl Fäden nötig sind, um diese Meßstrecke zu füllen. Füllen 20 Fäden einer Fadenstärke diese Meßstrecke, dann werden 40 genau halb so dicke Fäden für die gleiche Strecke benötigt.
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Das Zusammenspiel von Faden und Raster (Seite 38 bis 39)
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